Bedeutung Hotzenblitz

Der Hotzenblitz war früher sowohl eine für die Landschaft typische Erscheinung als auch ein warmherziger Freund des armen Wälders, der mit “hinterfürigen” Ideen spurlos Altes zu Asche werden und Neues (zumeist mit Geldern der Feuerversicherung) wieder entstehen ließ.
Die armen Bauern auf dem Wald hatten kaum Geld um ihren Hof in Stand zu halten, daher kamen ihnen meist „zündende Ideen“.
Die Vorbereitung und Planung übernahm der Bauer. Bei herannahendem Gewitter wurden auf dem Heustock ein Lattenstück mit einem Stein und einer gleich schweren Kerze austrahiert. Sobald die Kerze abgebrannt war, fiel sie ins Heu. Währenddessen war das Gewitter mit Blitz und Donner bereits über dem Haus und der Bauer gab bei der Feuerversicherung an: „Do hät d´Hotzeblitz i´gschlah!“

Doch der Hotzenblitz war nicht nur ein Helfer in stürmischen Zeiten, sondern auch ein stummer Zeuge des Überlebenskampfes jener, die mit der kargen Erde des Schwarzwaldes rangen. Er war ein Kind des Nebels und des Regens, geboren aus dem ständigen Zwiespalt zwischen Not und Findigkeit. Die Bauern wussten, dass sie ihn nicht zu oft rufen durften – sonst wurde man misstrauisch im Tal, bei den städtischen Herren, bei der Obrigkeit.

So geschah es, dass eines Tages der alte Hannes, der schon viermal vom Hotzenblitz heimgesucht worden war, in seinem Nachthemd vor den verkohlten Balken seines Stadels stand und mit Tränen in den Augen schwor: „I han nix gmacht, wirklich nit! Des isch dä Blitz gsi, ganz gwiss!“

Doch der Inspektor der Feuerversicherung – ein nüchterner Mann mit einem feinen Geruchssinn für verbrannte Lügen – beugte sich über die verkohlte Kerze im Heu und murmelte: „Sonderbar… der Blitz scheint heutzutage mit Wachs zu werfen.“

Von da an wurde der Ruf des Hotzenblitzes gefährlich. Wer ihn zu oft herbeirief, riskierte nicht nur sein Hab und Gut, sondern auch den Galgen. Doch die Menschen im Wald waren zäh, und ihre Einfälle umso „hinterfüriger“. Bald ersetzten sie die Kerze durch ein besseres Uhrwerk, das keinen verräterischen Wachsgeruch mehr hinterließ. Die „Blitzschläge“ wurden seltener, aber raffinierter.

 

Und immer, wenn ein Hof in Flammen aufging, erzählte man sich in der Stube beim Most:
„Der Hotzenblitz isch wieder ume… Und diesmal het er sogar d’Stubenuhr mitgnoh.“